Herzlich willkommen zu meinem IZA-Blog! 

Auf dieser Seite werdet ihr ab Mitte Oktober 2021 jeden Monat ein kurzes Update aus meinem Praktikumsalltag erhalten. Es soll primär als Plattform dienen, um von meinen Erfahrungen in der Entwicklungszusammenarbeit erzählen zu können. Was läuft gut? Wo gibt es aktuell Probleme? Was hat mich besonders beeindruckt? Diese und weitere Fragen werden innerhalb der nächsten drei Monate hoffentlich beantwortet werden können. 

23.12.2021 - Abschluss meiner Projektarbeiten, Praktikumsrückblick und Vergleich zwischen dem Leben in der Schweiz und Nepal

Wie schnell die Zeit vergeht! Vor knapp drei Monaten startete mein Praktikum in internationaler Zusammenarbeit (IZA) bei der Eawag in Dübendorf. Kaum so richtig angefangen, schon ist es wieder zu Ende. Rückblickend bin ich sehr zufrieden mit diesem Praktikum. In den letzten Wochen konnte ich sämtliche Arbeiten fertigstellen. So konnte ich beispielsweise sämtliche von mir erstellen Poster zur Übersetzung in Nepali weiterleiten und die Technical Note mit Expertenfeedback ergänzen und abschliessen. In der letzten Woche konnte ich dann sämtliche Projektergebnisse in Form eines Project Summary Reports zusammentragen und unserem Projektpartner in Wien weiterleiten. Am zweitletzten Tag konnte ich schliesslich den aktuellen Projektstand in Form eines internen Seminars meinen Teamkollegen und Projektpartnern vorstellen. Das Feedback war sehr positiv und es war schön zu sehen, was in nur drei Monaten alles erreicht werden konnte. Am letzten Tag musste ich dann noch mehrere kleine Dinge erledigen, bevor ich mich dann von Büro zu Büro bewegte, um mich von allen zu verabschieden. Aufgrund der sich verschlechternden Coronasituation waren allerdings nicht mehr sehr viele Leute im Büro. Von den restlichen Kollegen musste ich mich dementsprechend per Mail verabschieden.

In den vergangenen drei Monaten konnte ich sehr viele inspirierende, engagierte und nette Persönlichkeiten kennenlernen. Das Team und die jeweils gemeinsam verbrachten Kaffee- und Mittagspausen werde ich bestimmt vermissen. Nebst projektspezifischem Fachwissen konnte ich in diesen Pausen einiges über andere Projekte und Themen lernen. Am meisten lernte ich allerdings zu ökologischen Sanitärsystemen, insbesondere Trenntoiletten. Während dieser kurzen Praktikumsdauer konnte ich lernen, wie solche Trenntoiletten funktionieren, auf was bei deren Bau und Installation geachtet werden muss und wie man deren Produkte (Urin und Fäzes) sammeln, lagern und anwenden sollte. Vieles konnte ich mir im Selbststudium beibringen, bei den Details oder Erfahrungswerten war ich allerdings extrem froh über das Expertenwissen, welches bei der Eawag in grossem Masse vorhanden ist. Ich musste allerdings auch lernen, dass bei der Projektarbeit nicht immer alles nach Plan läuft. So konnten aufgrund diverser Verzögerungen (Corona, Unwetter, Festivals) nicht alle im Project Proposal definierten Aufgaben erledigt werden. Gemäss ursprünglichem Plan hätten im Anschluss an den Bau und die Installation der Trenntoiletten, deren Anwendung und das Benutzerempfinden analysiert werden müssen. Dies konnte aufgrund der vorher erwähnten Verzögerungen aber erst am Ende meines Praktikums gestartet werden. Somit wird diese Analyse von einer anderen Person durchgeführt werden müssen.

Der Einsatz entspricht grösstenteils dem, was ich erwartet hatte. Die Zusammenarbeit mit Projektpartnern an verschiedenen Standorten funktionierte online überraschend gut. Einzig während der Festivalzeit zwischen Mitte Oktober und Anfang November war die Kommunikation stark eingeschränkt. Diese Zeit konnte ich allerdings nutzen, um mich vertieft in die Thematik einzulesen und Dokumente vorzubereiten. Abgesehen davon gab es keine Tiefpunkte oder schwierige Phasen zu verzeichnen. Meine Vorstellungen musste ich fortlaufend anpassen in Bezug auf die Projektarbeit vor Ort. Anfangs hiess es noch, dass ein Einsatz in Nepal von knapp einem Monat wohl gut machbar wäre. Von da an war es ein ständiges hin und her, bis wir uns schliesslich Mitte November dafür entschieden hatten, das für einen Einsatz vor Ort zu wenig Zeit und zu viele Unklarheiten in Hinsicht auf die Entwicklung der Pandemie vorhanden seien. Da ich mich ursprünglich auf dieses Szenario vorbereitet hatte, konnte ich damit gut umgehen. Einzig das hin und her, welches immer wieder die Hoffnung in mir weckte, vielleicht doch noch nach Nepal reisen zu können, war für mich etwas mühsam. Ich kann hier allerdings niemandem einen Vorwurf machen, da die aktuelle Zeit für alle speziell und unvorhersehbar ist. Wie bereits erwähnt, konnte ich trotzdem erstaunlich vieles lernen.

Die Kommunikation in einem multikulturellen Team lief erstaunlich gut. Unser kleines Projektteam umfasste Personen aus der Schweiz, USA und Nepal. Erschwert wurde die Kommunikation durch teils schlechte Internetverbindungen in Nepal oder kürzere Stromausfälle. Auch die Festivalzeit war, wie bereits erwähnt, eine Zeit wo die Verfügbarkeit unseres nepalesischen Projektpartners eingeschränkt war. Aufgrund der Zeitverschiebung von +5:45 Stunden in Nepal mussten wir unsere Meetings dementsprechend eher auf den Schweizer Vormittag planen. Um eine gute Kommunikation in einem multikulturellen Team gewährleisten zu können, ist es sicherlich von Vorteil, wenn man sich über die verschiedenen Kulturen informiert. Hätten wir beispielsweise nicht gewusst, dass zwischen Mitte Oktober und anfangs November die zwei grössten und wichtigsten nepalesischen Festivals stattfinden, hätten wir wohl gedacht, dass irgendetwas passiert sein muss, weshalb wir während einigen Wochen nichts mehr von unserem Projektpartner hören. Selbstverständlich wurden wir im Vorfeld auch von unserem Projektpartner über dessen Verfügbarkeit während dieser Zeit informiert. Bei der Projektarbeit vor Ort hätte sich die Sprache bestimmt als eine Herausforderung herausgestellt. Nicht alle Leute sprechen fliessend Englisch, weshalb Sprachkenntnisse in der internationalen Zusammenarbeit von grosser Wichtigkeit sind.

Ob ich mir eine Zukunft in der Entwicklungszusammenarbeit vorstellen kann, ist schwierig zu sagen. Hier hätte es sicher geholfen, wenn ich nach Nepal reisen und die Entwicklungszusammenarbeit vor Ort hätte erleben können. Thematisch war die Arbeit sehr zufriedenstellend und motivierend, da man an etwas arbeitet, was anderen Menschen in weniger gut entwickelten Ländern eine bessere Zukunft ermöglichen kann. Diesbezüglich könnte ich mir gut vorstellen, später etwas ähnliches zu machen. Meist sind allerdings die Ressourcen Zeit und Geld für diese Projekte ziemlich limitiert, was durchaus auch  frustrierend sein kann. Es ist auch schwierig, langanhaltende Veränderungen herbeizuführen. Die menschliche Komponente ist kaum kontrollierbar und da viele Entwicklungen auch eine Anpassung der lokalen Gewohnheiten voraussetzen würden, könnte ich dies zu einer Quelle für Frust werden, wenn diese Anpassung nicht gelingen sollte. Die internationale Zusammenarbeit ist bestimmt ein Thema, welches ich im Hinterkopf behalten werden, allerdings muss ich zuerst noch andere Erfahrungen sammeln, bevor ich mich definitiv für etwas entscheiden kann.

Abschliessend muss ich sagen, dass ich sehr froh bin, dieses IZA-Praktikum in der Schweiz gemacht zu haben. Ich konnte sehr viele Eindrücke sammeln, an welche ich mich bestimmt noch lange zurückerinnern werde. Mein Interesse an der Entwicklungszusammenarbeit wurde definitiv geweckt und wir werden sehen, ob ich mich zu einem späteren Zeitpunkt wieder in diesem Umfeld aufhalten werde. Ich kann allen nur wärmstens empfehlen, ein IZA-Praktikum zu machen. Hoffentlich schon bald wieder im Ausland, aber falls nicht, lasst euch nicht von einem IZA in der Schweiz abschrecken. Man lernt auch so extrem viel fürs Leben.


Vielen Dank für euer Interesse an diesem Blog und falls ihr noch mehr erfahren möchtet, so könnt ihr gerne im Januar 2022 an meiner Abschlusspräsentation zu diesem Praktikum teilnehmen. Man sieht sich! Namaste!

Sital Uprety - Leben in der Schweiz und Nepal - Ein Vergleich

Sital Uprety ist zurzeit Post-Doc an der Eawag und arbeitet in der selben Abteilung wie ich (Sandec). Sital ist in Kathmandu, der Hauptstadt Nepals, aufgewachsen und lebte dort ununterbrochen bis zu seinem Studienbeginn. Anschliessend hat er in den USA Umweltingenieur studiert und dort im selben Studiengebiet promoviert. Seit knapp zwei Jahren lebt er nun in der Zürcher Gemeinde "Adliswil" und arbeitet bei der Eawag, um seinen Post-Doc zu absolvieren. In einem kurzen Interview hat er mir von seinen Erfahrungen in der Schweiz und Nepal erzählt. 

Das Grosswerden in Kathmandu sei grossartig gewesen. Er habe das Privileg gehabt, eine gute Ausbildung zu geniessen und innerhalb seines Stadtbezirks auf eine Gemeinschaftsschule gehen zu können. Dies habe ihm ermöglicht, mit Freunden aus seiner Nachbarschaft zur Schule gehen zu können. Die Schulzeit habe ihm extrem Spass gemacht und es gäbe nichts, was er rückblickend anders machen würde. 
 

Zum ersten Mal in der Schweiz war Sital vor knapp zwei Jahren, als er für seine Post-Doc Stelle nach Adliswil zog. Einen Kulturschock habe es keinen gegeben. Einzig die Sprache habe ihm anfangs, und auch heute noch, einige Schwierigkeiten bereitet. Sowohl bei der Eawag, als auch in der Stadt sei die Kommunikation auf Englisch noch sehr gut möglich gewesen. In anderen Regionen sei es aber ohne Deutschkenntnisse teils schwierig geworden zu kommunizieren. Mittlerweile nimmt Sital Deutschunterricht. Dies mache die Verständigung einfacher, wobei allerdings die verschiedenen Dialekte noch immer eine Herausforderung darstellen würden. 

An der Schweiz gefällt ihm vor allem die Natur und wie zugänglich diese ist. In Nepal sei zwar die Natur ebenfalls sehr schön, allerdings sei diese viel schlechter erschlossen als in der Schweiz. Um dies zu veranschaulichen, sagt er, dass es von Zürich bis zum Fusse des Matterhorns knapp drei Stunden mit dem Zug dauere, wohingegen er in Nepal knapp 14 Tage gebraucht habe, um von Kathmandu zu einem Base Camp des Mount Everest zu gelangen. 

Negatives zur Schweiz fiel ihm spontan nur die Sprachbarriere ein, für welche allerdings nur er selbst verantwortlich sei.

 An Nepal mag er das Essen und die Kultur besonders. Auch die Natur sei wunderschön, wenn auch viel schwerer zugänglich als in der Schweiz. Nebst dem erschwerten Zugang zur Natur mag er auch die Arbeit in ländlichen Regionen Nepals nicht besonders. Oft sei es schwierig, die Leute vom Nutzen ökologischer und nachhaltiger Lösungen zu begeistern. Diese fehlende Einsicht und der erschwerte Zugang zu diesen Gebieten seien herausfordernd für Projekte mit knapp berechneten Deadlines, wie bei ihm sehr häufig der Fall.

 
Auf die Frage, ob es denn auch Ähnlichkeiten zwischen den beiden Ländern gebe, antwortete er sofort mit «ja, viele». Besonders die Natur und Landschaft wären gut vergleichbar. Die Natur sei zwar viel grüner in der Schweiz, jedoch sei die Landschaft, geprägt von Bergen, Hügeln und Seen, sehr ähnlich. Unterschiede sieht Sital hauptsächlich bei der Entwicklung. Die Schweiz sei allgemein viel weiter entwickelt als Nepal. Auch die Kultur unterscheide sich gerade beim Essen und der Religion stark. Nichtsdestotrotz kann sich Sital gut vorstellen, auch nach seinem Post-Doc längerfristig in der Schweiz zu bleiben, sofern er sich immer noch thematisch mit Nepal auseinandersetzen kann. Dies wird ihm beispielsweise bei seiner aktuellen Anstellung ermöglicht.

Was sich in den nächsten 10 Jahren in Nepal alles ändern müsse, konnte Sital nicht genau beantworten. Es seien sehr viele kleine Sachen, welche es anzugehen gäbe. Nepal sei noch immer ein Entwicklungsland und dementsprechend gäbe es sehr viele Dinge, welche sich noch bessern müssten. Was sich aber bestimmt ändern werde, sei die Entwicklung der Infrastruktur . Die Situation der Strassen, Stromversorgung, Wasserzugang und Sanitäreinrichtungen werde sich seiner Meinung nach laufend verbessern. 

28.11.2021 - Zwischenfazit und eine Gegenüberstellung von Stadt und Land

 

Zwischenfazit nach knapp zwei Monaten im Praktikum

Vor knapp zwei Monaten startete ich mein Praktikum hier in der Sandec-Gruppe bei der Eawag in Dübendorf. Aufgrund der zwei grössten Nepalesischen Fester, Dashain (7. - 20. Oktober) und Tihar (2. - 6. November 2021), ist das Projekt nicht so schnell vorangeschritten, wie erhofft. Ursprünglich war geplant, dass die UDDTs anfangs November fertig installiert und einsatzbereit sein sollten. Da während der oben erwähnten Fester praktisch nichts gemacht wurde, hat sich die Fertigstellung der UDDTs um einige Wochen verzögert. Aufgrund dieser Verzögerung wurde nach der Festivalzeit wieder viel Zeit von den lokalen Projektmitarbeitern in das UDDT-Projekt investiert. Diese Gemeinschaftsleistung führte dazu, dass die Installation schliesslich im Verlauf dieser Woche abgeschlossen werden konnte. Die Inbetriebnahme ist im Verlauf der nächsten Woche (29.11 - 05.12.2021) geplant. Nebst geeigneten Urincontainern muss dringendst noch ein Trainingsprogramm für die zukünftigen UDDT-Nutzer organisiert werden. Eine gute Schulung der Nutzer ist bei der Verwendung und Instandhaltung von UDDTs entscheidend. Wird die UDDT falsch benutzt oder ungenügend gewartet, kann dies zu starker Geruchbildung und vermehrtem Auftreten von Fliegen führen. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass ein Grossteil der Probleme, über welche bei UDDTs geklagt wird, auf unzureichendes Nutzerverhalten zurückzuführen sind. Dies ist ziemlich ärgerlich, da solche schlechten Erfahrungen oft dazu führen, dass Nutzer wieder auf altbekannte, hygienisch und ökologisch schlechtere Systeme zurückkehren. Um dies zu verhindern, soll im laufenden Projekt stark auf die Schulung der korrekten Nutzung gesetzt werden. Und hier konnte ich mit der Erstellung von vier Postern glücklicherweise meinen Beitrag leisten.

In Zusammenarbeit mit Bal, unserem Projektpartner der Helvetas Nepal und Shreerendra, dem Leiter einer lokalen NGO, konnten die Poster Schritt für Schritt angepasst werden. Aktuell werden die Poster von Bal übersetzt und anschliessend ausgedruckt, damit sie in den Toiletten aufgehängt werden können. Die Zusammenarbeit per Zoom lief grundsätzlich gut. Wie ich allerdings in den letzten Wochen feststellen musste, läuft die Online-Zusammenarbeit nicht immer so einfach ab. Oft mussten geplante Meetings verschoben oder abgesagt werden, weil Stromausfälle oder allgemein schlechte Internetverbindungen diese verunmöglichten. Manchmal erfuhr ich erst Stunden nach dem geplanten Meeting, warum dieses nicht stattfinden konnte. Dadurch war es manchmal schwierig, Deadlines einzuhalten. Da man in der Entwicklungszusammenarbeit flexibel sein muss und solche unvorhergesehene Ereignisse jederzeit passieren können, wurde viel Verständnis für kleinere Verzögerungen entgegengebracht. Oft wäre die Kommunikation wohl um einiges einfacher ausgefallen, wenn ich vor Ort hätte sein können. Nach langem Hin und Her wurde jedoch entschieden, dass aufgrund der Unberechenbarkeit der Corona-Situation ein Einsatz vor Ort nicht in Frage kommt. Demzufolge werde ich mein Praktikum bis zum Abschluss Mitte Dezember online und von der Schweiz aus weiterführen.

Nebst den Postern verbrachte ich viel Zeit mit dem Verfassen der im letzten Blogeintrag erwähnten Technical Note zu UDDTs. Anfangs nur als kleiner Teil des Trainingsmaterials gedacht, entwickelte sich die Technical Note zunehmend zu einem grösseren Projekt. Ich las wieder sehr viel Literatur zur Erstellung, Nutzung und Instandhaltung von UDDTs. Am Ende soll der Report als Hilfestellung für Leute dienen, welche sich eine UDDT anschaffen möchten. Der Technical Report beinhaltet allgemeine Informationen zu UDDTs mit Vor- und Nachteilen, Berechnungshilfen zur richtigen Dimensionierung und eine detaillierte Anleitung zur Nutzung und Instandhaltung von UDDTs. Der Report soll zudem Bilder und Baupläne von den innerhalb des Projekts gebauten und installierten Komponenten der UDDTs enthalten. Aus dem kleinen Nebenprojekt entwickelte sich zunehmend ein Grossprojekt, welches mehrere Wochen meiner Praktikumszeit beanspruchte. Die Technical Note sollte ich in den nächsten 2-3 Tagen fertigstellen. Die verbleibende Zeit meines Praktikums werde ich dann mit dem Verfassen des "Project Summary Reports" verbringen. Dieser wird für die Designfirma erstellt, welche das Design für die im Projekt verwendeten Trenntoiletten entworfen hat. Der Report soll sämtliche Erfahrungen beinhalten, welche im Verlauf des Projekts mit dem von ihnen entworfenen Design gesammelt wurden. Wie gut konnte die Toilette hergestellt werden? Welche Probleme wurden angetroffen? Wie konnten diese behoben werden? Diese und ähnliche Fragen sollen innerhalb dieses Reports während der verbleibenden Zeit meines Praktikums beantwortet werden. Der Report soll der Designfirma bei der Weiterentwicklung des Designs helfen.

Wenn ich noch ein Jahr länger Zeit hätte für das Praktikum, so würde ich mir die fertiggestellten UDDTs gerne live in Nepal anschauen. Mit der Fertigstellung der UDDTs ist die Arbeit noch lange nicht getan. In einem nächsten Schritt müssten das Nutzerverhalten analysiert und die Zufriedenheit der Nutzer ermittelt werden. Es wäre auch interessant zu sehen, wie gut die UDDTs gewartet und ob sie überhaupt genutzt werden. Zusätzlich wäre es interessant herauszufinden, wie gut die Fäkalien innerhalb der Fäkalienkammern der UDDT desinfiziert werden. Dies könnte mit passenden Messgeräten über einen Zeitraum von mehreren Monaten ermittelt werden. Es gäbe extrem viele Dinge, welche man bei diesem Projekt noch machen könnte. Für die mir zur Verfügung stehenden drei Monate bin ich allerdings bereits jetzt extrem stolz auf die Dinge, welche erreicht werden konnten. Ich bin gespannt, wie die verbleibenden Wochen noch werden und ob ich alle meine Teilprojekte innerhalb dieser Zeit abschliessen kann. Ich bin also gespannt, was ich euch bei meinem letzten Blogeintrag nach Abschluss des Praktikums zu berichten habe. Bis dahin wünsche ich euch noch viel Spass beim Lesen der zwei Kurzportraits von Bal und Shreerendra. Diese kurze Gegenüberstellung soll euch den Kontrast zwischen dem Nepalesischen Leben auf dem Land und dem in der Stadt aufzeigen.

Leben in Nepal - zwei Kurzportraits zum Kontrast "Stadt vs. Land"

Untenstehend werden zwei Portraits vorgestellt, welche sich thematisch mit dem Leben in Nepal beschäftigen. Unser Projektpartner Bal Mukund Kunwar (Helvetas Nepal) wird von seinen Erfahrungen zum Leben in einer peri-urbanen Region in Nepal erzählen. Demgegenüber wird Shreerenrdra Pokharel (NGO: THE SEWA) uns einen Einblick in das Nepalesische Landleben geben. Viel Spass beim Lesen!

Shreerendra Pokharel - Leben auf dem land

Shreerendra ist im Dorf "Darechok" aufgewachsen. Darechok zählt knapp 10'000 Einwohner und befindet sich im zentral gelegenen Chitwan Distrikt. Chitwan ist vor allem bekannt für den Chitwan-Nationalpark, Heimat von Bengalischen Tigern, Leoparden und dem Panzernashorn. Darechok befindet sich allerdings ausserhalb des Nationalparks ganz im Norden des Distrikts. Darechok liegt in einer ziemlich hügeligen Gegend und besteht aus mehreren kleineren Dörfchen und Siedlungen.


Shreerendra ist seit über 15 Jahren als Berater im WASH-Bereich (Water, Sanitation and Hygiene) tätig und setzt sich dort vor allem für die Einführung von ökologischen Sanitärsystemen (EcoSan) in seiner Heimatregion ein. Zusätzlich war er für knapp 35 Jahre, ebenfalls in Darechok, als Lehrer tätig. Gemäss Shreerendra war das Aufwachsen in Darechok sehr schwer. Es gab damals noch keine Schule in der Nähe und die Kinder mussten deswegen sehr lange Wege zurücklegen, um in einer benachbarten Region zur Schule gehen zu können. Nebst der Schule musste er auch immer extrem viel arbeiten. Der damalige Mangel an Schulen motivierte Shreerendra schliesslich, seine eigene Schule in Darechok zu gründen und dort als Lehrer tätig zu sein. 

Die grössten Herausforderungen am Leben im ländlichen Nepal seien unter anderem die schlechten sanitären Bedingungen und eine noch immer hohe Analphabetenrate. Nichtsdestotrotz gebe es aber auch Vorteile gegenüber dem immer beliebter werdenden Stadtleben: das Wasser und die Luft seien von viel besserer Qualität. Allgemein seien die gesundheitlichen Umstände auf dem Land bedeutend besser als in der Stadt. Auf die Frage, ob er sich denn schon einmal überlegt habe, in die Stadt zu ziehen, antwortete er ohne zu Überlegen mit einem bestimmten "Nein". Das Leben in der Stadt sei für ihn einfach zu ungesund. Er möchte ausserdem dazu beitragen, dass sich das Leben in seiner ländlichen Region weiter verbessert. Als Lehrer und WASH-Berater hat er bereits einiges bewirken können. Abgesehen von seinen eigenen Leistungen, habe sich vor allem das Elektrizitätsnetz in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt. Viele Dörfer und Siedlungen, welche noch vor wenigen Jahren keinen Stromanschluss hatten, seien heute mit Strom versorgt. Was ihm noch immer Kopfzerbrechen bereitet, sind die weiterhin langen Wege, welche Leute auf dem Land in Kauf nehmen. Medizinische Versorgung und grössere Supermärkte sind oft sehr weit entfernt.

Auch die anhaltende Corona-Pandemie habe ihre Spuren hinterlassen. Viele Leute hätten finanziell unterstützt werden müssen, um ihre Existenz sichern zu können. Zahlreiche grössere und kleinere Märkte hätten geschlossen werden müssen und der Zugang zu Alltagsgegenständen sei stark erschwert worden. Man habe allerdings viel aus dieser Zeit lernen können und der Staat habe gut reagiert. Sogar etwas Positives zieht Shreerendra aus dieser Zeit: Die Leute seien sich viel bewusster über die Wichtigkeit von Hygienemassnahmen geworden. Das regelmässige Händewaschen sei mittlerweile Standard geworden, was nebst Corona auch die Verbreitung von anderen Krankheiten eindämmen könne.

Damit Darechok in den nächsten 10 Jahren eine noch lebenswertere Region werde, müssen die Leute von der Wichtigkeit der korrekten Abfallverwertung überzeugt werden können. Zudem soll vermehrt Infrastruktur gebaut werden, um aus Abfallstoffen Energie gewinnen zu können. Shreerendra persönlich möchte seine Region durch den Bau weiterer EcoSan-Toiletten zu einem besseren Ort machen.

Wenn mir eines klar wurde im Gespräch mit Shreerendra, dann dass dieser Mann nicht um den heissen Brei redet, sondern Nägel mit Köpfen macht. Ich wünsche Shreerendra alles Gute und viel Kraft für seine noch immer sehr ambitionierten Ziele. Eine bemerkenswerte Persönlichkeit, wovon ich mir sicherlich noch eine Scheibe abschneiden kann.

Bal Mukund Kunwar - Leben in der Stadt

Bal Mukund Kunwar ist in "Birendranagar", der Hauptstadt des Distrikts Surkhet aufgewachsen. Surkhet liegt knapp 600 Kilometer westlich von Kathmandu, der Hauptstadt Nepals. Zu den Sehenswürdigkeiten von Surkhet gehören alte Steintempel, wie beispielsweise der Kakrebihar im Südosten des Surkhet Tals. Zudem fliesst der Fluss "Bheri" durch das Distrikt Surkhet. Bheri ist sehr beliebt für River-Rafting und Paragliding.

Bal studierte an der Tribhuvan University in Kathmandu Maschinenbau im Bachelor und hat anschliessend einen Master in Rural Development erworben. Heute arbeitet er für verschiedene Projekte bei Helvetas Nepal und ist unser Projektpartner beim EOOS NEXT Projekt. Das Aufwachsen in dieser Region sei schwer gewesen. Die Wasser- und Stromversorgung sei damals in ganz Nepal noch ziemlich schlecht und der Transport in benachbarte Regionen mühsam und lang gewesen. Heute sei dies alles besser geworden. Durch verbesserte Strassen und Inlandflüge habe sich die Mobilität stark verbessert. Auch Wasser und Strom seien heute sehr viel besser zugänglich. Zusätzlich habe die Qualität der Spitäler und Anzahl an Schulen stetig zugenommen. 

Die grössten Herausforderungen seien heute die zunehmende Migration vom Land in die Stadt, eine zunehmend materialistisch ausgerichtete Gesellschaft und die Zunahme von Krankheiten. Viele dieser Herausforderungen sind auf das Bevölkerungswachstum im urbanen Raum zurückzuführen. Durch den zunehmend vereinfachten Zugang zu moderner Informationstechnologie, wie Smartphones oder dem Internet, würden persönliche Beziehungen langsam an Wichtigkeit verlieren. Die Leute verbringen immer mehr Zeit online und weniger mit dem sozialen Umfeld. Durch die Verdichtung und den zunehmenden Verkehr habe sich die Qualität von Luft und Wasser über die Jahre verschlechtert. Durch die Verdichtung seien aber auch zunehmend grosse Supermärkte gebaut worden, welche den Zugang zu Lebensmitteln erleichtern würden. Allerdings habe auch das Angebot an Junk Food zugenommen. Ähnlich wie Shreerendra, kann sich Bal allerdings kein anderes Leben vorstellen. Die schlechte Verkehrssituation, fehlende Gesundheitsinfrastruktur und die eingeschränkten Ausbildungsmöglichkeiten in ländlichen Regionen wären für ihn ein Albtraum. Der Zugang zu qualitativ hochwertiger Ausbildung sei ihm deswegen so wichtig, da er selber Kinder habe und ihnen möglichst gute Karrierechancen ermöglichen möchte. Er stellt allerdings klar, dass er die ländlichen Gebiete Nepals, insbesondere die Natur, sehr schön finde und auch öfters privat aufs Land fahre. Er könnte sich einfach nicht vorstellen, permanent auf dem Land zu leben.

Auch für Bal war und ist die anhaltende Corona-Pandemie eine schwere Zeit. Die Angst einer Ansteckung und den damit verbundenen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen seien gross gewesen. Auch der Tourismussektor leide stark unter der Pandemie. Nebst dem erleichterten Zugang zum Internet, sei Corona ein grosser Faktor, welcher sich negativ auf das soziale Leben ausgewirkt habe. Die fortschreitende Technologie habe in der Pandemie aber auch Vorteile gezeigt. So konnte ein Teil des Unterrichts zunehmend online durchgeführt werden. Ohne diese technischen Mittel hätte der Unterricht wohl ausfallen oder eine andere Lösung gefunden werden müssen.

Für die Zukunft ist Bal optimistisch. Um das Leben in seiner Region innerhalb der nächsten 10 Jahren zu verbessern, seien unter anderem mehr Pärke und Grünflächen nötig. Zur Verbesserung der Luftqualität und um einen Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels zu leisten, sei ein Umstieg von Verbrennungs- zu Elektromotoren notwendig. Auch die soziale Infrastruktur sollte laufend verbessert werden. Hier beschränkt sich Bal allerdings nicht nur auf die Stadt. Aus seiner Sicht müsste auch in die Infrastruktur der ländlichen Gebiete stark investiert werden. Durch bessere Lebensbedingungen auf dem Land könnte die Landflucht gebremst und die Städte ein wenig entlastet werden.

Ich wünsche auch Bal alles Gute für die Zukunft und bin extrem froh, mit ihm während des EOOS NEXT Projekts zusammenarbeiten zu können.

17.10.2021 - Erste Eindrücke und ein wenig Geschichte

Geschichte der bilateralen Beziehungen zwischen der Schweiz und Nepal

Die Schweiz und Nepal verbindet eine lange Geschichte hinsichtlich bilateraler Beziehungen und der Entwicklungszusammenarbeit. Es ist also kein Zufall, dass sich sehr viele Projekte der Eawag mit Nepal auseinandersetzen. Bereits 1956 wurden die ersten diplomatischen Beziehungen zwischen diesen beiden Ländern aufgenommen. Im Jahr 1959 wurde dann bereits die bilaterale Entwicklungs-zusammenarbeit aufgenommen und nur vier Jahre später, 1963, wurde Nepal als Schwerpunktland in der Entwicklungszusammenarbeit festgelegt. 1972 folgte ein bilaterales Abkommen über die technische Zusammenarbeit, welches beispielsweise das Entsenden von Experten, technischem Personal und Freiwilligen beinhaltete. Auch die Lieferung technischen Materials und finanzielle Unterstützung für Studien und berufliche Ausbildung wurden darin vereinbart. Nach Ausbruch des maoistischen Aufstands im Jahr 1996 unterstützte die Schweiz die Suche nach einer politischen Lösung des Konflikts. Seither konzentriert sich das Engagement der Schweiz in Nepal auf die Bereiche lokale Gouvernanz, ländliche Infrastruktur, Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen Migration, Menschenrechte, Geschlechtergleichstellung und soziale Inklusion. Im Bereich der Friedensförderung innerhalb Nepals liegen die Schwerpunkte der Schweiz auf menschlicher Sicherheit, Rechtsstaatlichkeit und dem Schutz der Menschenrechte. Seit 1999 besitzt Nepal eine Botschaft in Genf. Die Schweiz folgte 2009 mit einer Botschaft in Nepal. Auch wirtschaftlich arbeiten die beiden Länder zusammen. Die Schweiz exportiert Edelmetalle und pharmazeutische Produkte nach Nepal und importiert im Gegenzug Textilien und Kleidung.

Wie diese Zahlen verdeutlichen sollen, pflegen die Schweiz und Nepal bereits eine sehr lange Zusammenarbeit. Diese gute Beziehung widerspiegelt sich auch in der Zusammenarbeit zwischen der Eawag und Nepal. Diverse Entwicklungsprojekte konnten bisher in Nepal realisiert werden. Die Projekte beschäftigten sich beispielsweise mit der Implementierung von dezentralen Sanitärsystemen, wie beispielsweise der UDDT und der damit einhergehenden Sensibilisierung der Bevölkerung zu den Themen Ressourcenrückgewinnung, Wasserschutz und Hygiene. Auch die Planung von Sanitärsystemen für kleinere und mittelgrosse Städte sind Teil aktueller Projekte. Die Arbeit der Eawag wird vor Ort sehr geschätzt. Die Akzeptanz der Bevölkerung im Umgang mit Fäkalien und Urin variiert stark nach Region. Besonders in den Bergregionen gibt es gewisse Gemeinschaften, welche sich bereits seit Jahrhunderten die in Exkrementen enthaltenen Nährstoffe zu Nutze machen. Bezüglich Kommunikation brauche es teilweise ein wenig Fingerspitzengefühl. Auf eine Frage mit "nein" zu antworten sei für viele Leute unangenehm. Dies könne unter anderem zu falschen Wegbeschreibungen oder sonstigen Missverständnissen führen, da eine befragte Person den Weg nach XY zwar nicht wisse, aber anstatt diese Unsicherheit offen zu kommunizieren, eher eine falsche Beschreibung angeben könne. Diese Erkenntnisse beruhen auf Aussagen von Arbeitskollegen, welche bereits einige Projekte in Nepal begleiten konnten. Falls doch noch ein Einsatz vor Ort zustande kommen sollte, würde ich diese fremden Erfahrungen gerne mit meinen eigenen ergänzen.

Erste Eindrücke des Praktikums

Ziemlich genau einen Monat ist es nun her, als ich am 14. September 2021 mein Praktikum startete. Gleich am zweiten Tag wurde ich zu einer Tagung in einem Seminarhaus auf dem Herzberg eingeladen. Diese Tagung findet einmal jährlich im Herbst statt und soll den Austausch sämtlicher Abteilungen innerhalb von Sandec fördern und ihnen die Möglichkeit geben, ihre aktuellen Projekte vorzustellen. Mittels Vorträgen und kleineren Workshops konnte ich während diesem Tag die gesamte Abteilung kennenlernen und mir ein Bild von den aktuellen Projekten machen. Es war ein perfekter Start ins Praktikum.

In den darauffolgenden knapp 1.5 Wochen musste ich mir erst einmal einen Überblick über den aktuellen Stand des UDDT Projektes in Nepal verschaffen. Dies beinhaltete das Verfassen einer Projektübersicht, welche auf sämtlichen bisher verfügbaren Protokollen und Dokumentationen beruhte. Zusätzlich las ich sehr viel Literatur zum Thema UDDT's und der Verwendung von Urin/Fäzes in der Landwirtschaft. Zwischendurch gab es jeweils montags ein kurzes Treffen zwischen den Projektmitgliedern der Eawag und Helvetas. Anfangs war ich vor allem als Zuhörer dabei, bei den letzten beiden Meetings konnte ich allerdings bereits die Gesprächsführung und Zusammenstellung der Traktanden übernehmen. Da die Fertigstellung der UDDT-Infrastruktur langsam näher rückt, konnte ich in der letzten Woche Trainingsmaterial für die Nutzung und Instandhaltung von UDDT's zusammenstellen. Dies beinhaltete das Verfassen eines Technical Reports, wie auch passende Benutzeranleitungen und Poster, welche in den Toiletten aufgehängt werden. Durch diese verschiedenen Trainigsmaterialien wird sich eine bessere Nutzung der UDDT's erhofft, was zu einer besseren Qualität der Endprodukte (Dünger & Bodenverbesserer) und einem erhöhten Nutzerkomfort (weniger Gestank und Fliegen) führen soll. Die Aufgaben werden zunehmend interessanter und ich kann mehr Verantwortung übernehmen. Als nächstes steht bei mir die Zusammenstellung eines "Project Summary Reports" an. Dieser soll sämtliche bisher erhobenen Daten und den bisherigen Lern- und Innovationsprozesss beinhalten. Bei unserem Projektpartner in Nepal liegt der Schwerpunkt in den nächsten Wochen bei der Fertigstellung der UDDT-Infrastruktur und die anschliessende Schulung der testenden Haushalte betreffend Nutzung und Instandhaltung der UDDT's. 

Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir der erste Monat bei der Eawag sehr gut gefallen hat. Ich konnte mir bereits ein sehr gutes Bild der administrativen Tätigkeiten innerhalb der Entwicklungs-zusammenarbeit verschaffen und extrem viel über die Wichtigkeit und Funktionsweise von UDDT's und dem Schliessen von Nährstoffkreisläufen lernen. Ich bin gespannt, was ich euch in knapp einem Monat noch alles zu erzählen habe.